Kapitel 6: Bildungserträge

In diesem Kapitel wird die Bedeutung des Bildungswesens für die Volkswirtschaft in Form von Erträgen der Bildung beleuchtet. Bildung kann aus ökonomischer Sicht als eine Investition in Fähigkeiten, Wissen und Kompetenzen der Menschen verstanden werden, die zukünftige Erträge erwarten lässt. Diese Bildungserträge werden im vorliegenden Kapitel in vier Gruppen aufgeteilt: Wachstum, Beschäftigung, Einkommen und nicht-monetäre Bildungserträge.

Aus einer wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive werden zunächst theoretische Ansätze vorgestellt, die die verschiedenen Bildungserträge erklären. Auf individueller Ebene wird in der Humankapitaltheorie angenommen, dass besser gebildete Individuen in dem Ausmaß, wie Fähigkeiten, Wissen und Kompetenzen die individuelle Produktivität erhöhen, höhere Einkommen erzielen können und weniger von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Auf Ebene der gesamten Volkswirtschaft wird davon ausgegangen, dass Bildung die gesamtwirtschaftliche Produktivität anhebt sowie Innovationen und deren Verbreitung beflügelt, was das langfristige Wirtschaftswachstum antreibt. Darüber hinaus werden aus theoretischer Sicht Mechanismen identifiziert, wie und warum Bildung auch nicht-monetäre Erträge in den Bereichen Gesundheit, staatsbürgerliches Verhalten und Kriminalität mit sich bringt.

Vor diesem Hintergrund wird in den darauffolgenden Abschnitten empirische Evidenz für die vier Gruppen der Bildungserträge dargelegt. Empirische Studien zeigen, dass die Bildung der Bevölkerung Erträge in Form von volkswirtschaftlichem Wachstum generiert. Insbesondere die tatsächlich erworbenen Fähigkeiten der Bevölkerung – in Abgrenzung zur Anzahl der Bildungsjahre – sind ein zentraler Bestimmungsfaktor für langfristiges Wirtschaftswachstum. Aufgrund dieser Befunde kommen Projektionen des zukünftigen Wachstums für Deutschland bis in das Jahr 2090 zu dem Schluss, dass die Erträge verbesserter Bildungsleistungen im Bereich mehrerer Billionen Euro liegen können.

Im Anschluss wird die empirische Evidenz der Bildungserträge für den Einzelnen dargestellt. Europaweite Statistiken zeigen, dass die Arbeitsmarktchancen umso besser sind, je höher das Bildungsniveau ist. Geringgebildete haben das höchste Risiko, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein. Darüber hinaus wird aus einer den gesamten Erwerbslebenszyklus umfassenden Perspektive beleuchtet, dass es für die Beschäftigungschancen ebenfalls relevant ist, ob die erworbene Bildung eher allgemeiner oder berufsspezifischer Natur ist. Die individuellen Bildungserträge spiegeln sich auch in höheren Erwerbseinkommen wider. Dies belegen Studien, die für die sogenannte Bildungsertragsrate Werte von etwa sieben bis zehn Prozent berechnen. Auch für Kompetenzen, über die Individuen tatsächlich verfügen, werden hohe Ertragsraten festgestellt. Empirische Studien liefern auch Evidenz für positive nicht-monetäre Bildungserträge in Bezug auf verschiedene Gesundheitsaspekte, staatsbürgerliches Verhalten und verringerte Kriminalität.

Der vollständige Beitrag im Buch gliedert sich wie folgt:

6.1    Einführung

6.2    Theoretischer Hintergrund: Bildung und Wohlstand

  • 6.2.1   Bildung und individuelle Produktivität
  • 6.2.2   Bildung und makroökonomische Entwicklung
  • 6.2.3   Nicht-monetäre Erträge der Bildung

6.3    Wachstum: Bildungsleistungen und gesellschaftlicher Wohlstand

  • 6.3.1   Die zentrale Rolle von Bildungsleistungen für langfristiges Wirtschaftswachstum
  • 6.3.2   Folgekosten unzureichender Bildung: Simulationen zukünftiger Wachstumspfade

6.4    Beschäftigung: Bildung und Arbeitslosigkeit

  • 6.4.1   Arbeitslosigkeit und Beschäftigung nach Bildungsabschluss
  • 6.4.2   Erwerbslebenszyklus bei allgemeiner und berufsspezifischer Bildung

6.5    Einkommen: Bildung und individueller Wohlstand

  • 6.5.1   Bildungsertragsraten
  • 6.5.2   Erträge auf Kompetenzen

6.6    Nicht-monetäre Erträge der Bildung

  • 6.6.1   Gesundheit
  • 6.6.2   Staatsbürgerliches Verhalten
  • 6.6.3   Kriminalität

6.7    Schlussbemerkungen