Kapitel 11: Frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen

von Hans-Günther Roßbach und C. Katharina Spieß

Das System der frühen Bildung in Kindertageseinrichtungen in Deutschland verändert sich seit einigen Jahren in erheblichem Umfang. Dieser bezieht sich primär auf eine historisch einmalige Ausweitung des Angebots und der Nutzung von Kindertageseinrichtungen – begleitet durch einen Rechtsanspruch auf eine Betreuung in einer Kindertagesbetreuung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr –, eine stärkere Betonung der Bildungsfunktion in der „Einheit“ von Erziehung, Bildung und Betreuung, die Einführung von Bildungsplänen, die auf eine stärkere domänenspezifische Förderung als bisher ausgerichtet sind, sowie die geforderte Veränderung der Ausbildung des Fachpersonals, einschließlich der Diskussion um eine Akademisierung des Fachpersonals. Die Diskussion um solche Veränderungen findet in einem differenzierten Feld von Verantwortlichkeiten von Eltern, kommunalen und freien Trägern, Gemeinden, dem jeweiligen Bundesland und der Bundesebene statt. Zum einen führt dies zu großen regionalen Differenzen im System der Kindertageseinrichtungen, und zum anderen wird dadurch eine gezielte Steuerung von Veränderungsprozessen erschwert.

In dem folgenden Kapitel wird dieses sehr heterogene System der Kindertageseinrichtungen beschrieben. Zunächst wird ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gegeben. Danach wird sehr kurz die Forschung zu den Wirkungen von Kindertageseinrichtungen skizziert, wobei Studien aus unterschiedlichen Disziplinen beispielhaft erwähnt werden. Die Rahmenbedingungen der heutigen Situation, die verschiedenen Verantwortungsebenen und Finanzierungsstrukturen von Kindertageseinrichtungen werden anschließend diskutiert. Es folgt ein differenzierter Überblick über Anbieter von Kindertageseinrichtungen und deren Nutzer, wobei verschiedenen Hinweisen auf Nutzungsdisparitäten nachgegangen wird. Insbesondere im Bereich der Kinder unter drei Jahren sind größere Unterschiede festzumachen: Kinder aus bildungsferneren Elternhäusern oder auch Kinder, deren Eltern beide einen Migrationshintergrund haben, sind in Kindertageseinrichtungen unterrepräsentiert. Eine besondere Rolle für eine hochwertige Kindertagesbetreuung spielt das Fachpersonal und seine Ausbildung, die kurz skizziert wird. Um die Besonderheiten des deutschen Früherziehungssystems besser einschätzen zu können, wird es anschließend kurz in internationale Entwicklungen eingeordnet – dies betrifft die Nutzungsquoten, sozioökonomische Unterschiede bei der Nutzung als auch die öffentlichen Ausgaben für diesen Bildungsbereich. Bildungsetappen stehen nicht unverbunden nebeneinander, und auf den Besuch einer Kindertageseinrichtung erfolgt der Übertritt in die Grundschule. Dieser stellt viel weniger als oftmals beschrieben eine Problemzone in der Kindheit dar, vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass der vorgängige Besuch einer Kindertageseinrichtung auf vielfältige Art und Weise zu einem erfolgreichen Beginn der Schulzeit beiträgt. Das Kapitel schließt mit Handlungsempfehlungen, die auf eine effektive Weiterentwicklung des deutschen Früherziehungssystems ausgerichtet sind.

Der vollständige Beitrag im Buch gliedert sich wie folgt:

11.1  Historische Entwicklung

  • 11.1.1 Entwicklung bis zur deutschen Wiedervereinigung
  • 11.1.2 Entwicklung seit der Wiedervereinigung

11.2  Wirkung von Kindertageseinrichtungen – Hinweise aus der Forschung

11.3  Rahmenbedingungen für Kindertageseinrichtungen in Deutschland

  • 11.3.1 Verantwortungsebenen
  • 11.3.2 Die Finanzierung von Kindertageseinrichtungen

11.4  Nachfrager und Anbieter von Kindertageseinrichtungen

  • 11.4.1 Nachfrageseite: Kinder unter drei Jahren
  • 11.4.2 Nachfrageseite: Kinder ab drei Jahren
  • 11.4.3 Angebotsseite

11.5  Pädagogisches Personal

11.6  Internationale Einordnung

11.7  Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule

11.8  Abschließende Bewertungen – Handlungsempfehlungen für die Zukunft